Nachrichten aus Tschetschenien
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Die russische Menschenrechtsorgansiation Memorial berichtet in ihrem Bulletin am 4. Februar 2005 über folgende Ereignisse: Zumsoj: Zivilisten flohen aus ihrem Heimatdorf nach Bombardierungen und militärischen Übergriffen Am 14., 15. und 16. Januar 2005 kam es im tschetschenischen Dorf Zumsoj (Bezirk Itum-Kale) zu militärischen Angriffen der russischen Armee, in denen es auch zu Granatenbeschüssen kam. Am 14. Januar war Zumsoj Ziel von Luftattacken. Bei diesen Angriffen kam es zur vollständigen Zerstörung des Anwesens von Dorfbewohnern. Andere Wohngebäude wurden schwer beschädigt. Am selben Tag kam es zu militärischen Truppeneinsätzen: über Helicopter wurdendie Soldaten zum Einsatzort eingeflogen. Vor deren Landung wurde das Dorf von den Hubschraubern aus noch einmal mit Raketen bombardiert und von Maschinengewehrsalven aus der Luft heimgesucht- unabhängig von der Tatsache,dass keiner der Einwohner den Angriffen Widerstand leistete und sich keinerlei Kämpfer in dem Dorf aufhielten. In dem Dorf wurde im Anschluss eine sog. Säuberungsaktion durchgeführt. Es kam zu Plünderungen, Zerstörungen von Eigentum und Entführungen von Zivilisten. Am 15. und 16. Januar brachen Militärs in schwer alkoholisiertem Zustand in Privathäuser ein, beschimpften und misshandelten die Bewohner. Neben der Zerstörung von Einrichtungsgegenständen kam es zu massiven Plünderungen: Alles, was attraktiv erschien, wurde gestohlen: Geld, Wertgegenstände, Fernseher, Kleidung, Medikamente, Kinderkleidung. Im Wohnhaus der Familie Mukhaev wurden außerdem Dokumente mitgenommen: die Pässe der Mutter und der ältesten Tochter, die Geburtsurkunden und Geld (250.000 Rubel, welche die Familie als Entschädigung für zerstörten Wohnraum durch den Krieg bekam). In einigen anderen Häusern wurden von Soldaten Tiere getötet (Hühner, Pferde), von einem weiteren Bewohner wurde das Privatfahrzeug in die Luft gejagt. Vor den Augen der empörten Dorfbewohner wurden die gestohlenen Gegenstände in die Helicopter verladen. In der Nacht vom 14. Januar wurden mehrere Bewohner verschleppt: Shirvani Nasipov (geb. 1956), Vakha Mukhaeva (geb. 1955), Magomed Emin Ibishev (30 Jahre alt) und der 15- jährige Atabi Mukhaev. Am selben Tag verlies der Hubschrauber das Dorf. Bis zum heutigen Tag ist der Aufenthaltsort der vier gekidnappten Leute unbekannt. Die Bewohner des Dorfes wandten sich an die Staatsanwaltschaft- ohne Erfolg. Die Soldaten, die am 28. Januar auftauchten, blieben. Das Plündern und die verbalen Angriffe gehen weiter. Dies ist nicht der erste Angriff auf das Dorf Zumsoi. Bereits im November 2004 kam es dort zu massiven Bombardierungen, worauf viele Bewohner flüchteten. Von 56 ursprünglichen Haushalten blieben nur mehr 15 im Dorf bestehen. Die Einwohner von Zumsoj sind davon überzeugt, dass die jüngsten Angriffe darauf angelegt sind, sie zur Aufgabe der Siedlung zu bewegen. Zumsoj ist ein Dorf im Hochgebirge, welches nur schwer zu zugänglich ist. Es gibt keine Belieferung mit Produkten in diese Gegend. Jeden Monat sammeln die Dorfbewohner Geld, organisieren ein Fahrzeug und fahren in die nächste Siedlung, um Lebensmittel für den gesamten Monat einzukaufen. Es ist davon auszugehen, dass die Militärs mit der Entvölkerung der Dörfer spekulieren, um somit leichter die tschetschenischen Kämpfer eliminieren zu können, die sich in den Bergen aufhalten. Das Dorf stellt außerdem ein wichtiges historisches Kulturgut dar – dort überlebten die antiken Wehrtürme, worin viele Familien bis heute wohnen. Der hauptsächliche Grund für das Ausharren der Bewohner in diesem Dorf unter diesen harten Bedingungen ist ihr Bemühen darum, das Familienerbe zu bewahren und nicht zuletzt an dem Mangel an Mitteln, sich woanders in der Ebene niederzulassen.
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© G. Braun, Interkulturelles Forum e.V., 2002