|
Geheimdienst meldet Tod Maschadows
Tschetscheniens Ex-Präsident soll bei einer bewaffneten Auseinandersetzung ums Leben gekommen sein
Frankfurter Rundschau online vom 10.3.2005
Von Florian Hassel
Aslan Maschadow, Rebellenführer und 1997 gewählter Präsident Tschetscheniens, ist nach russischen Angaben bei einer bewaffneten Auseinandersetzung ums Leben gekommen. Allerdings sind die genauen Umstände seines Todes noch unklar.
Moskau · 8. März · Russlands Geheimdienstchef Nikolaj Patruschew trug Präsident Wladimir Putin am Dienstag vor, Maschadow sei im tschetschenischen Dorf Tolstoj-Jurt durch ein Kommando des Inlandsgeheimdienstes FSB getötet worden. "Seine Leiche ist in den Händen von FSB-Ermittlern, die weitere Erkennungsmaßnahmen durchführen", sagte Patruschew. Vier enge Mitarbeiter Maschadows seien verhaftet worden und würden verhört.
Generalmajor Ilja Schabalkin, Sprecher des russischen Oberkommandos in Tschetschenien, sagte der Agentur Interfax, in Tolstoj-Jurt habe eine bewaffnete Auseinandersetzung stattgefunden. Dabei habe sich Maschadow unter einem der Häuser in einem Bunker versteckt und sei getötet worden. Dem Armeesprecher zufolge nahmen russische Einheiten vor kurzem zwei Kämpfer aus der Gruppe von Rebellenkommandeur Schamil Bassajew und einen aus der Gruppe von Maschadow fest. Die festgenommenen Rebellen hätten Pläne für eine größere Aktion in Tolstoj-Jurt verraten, an der auch Maschadow teilgenommen habe.
Putin zeigt sich zufrieden
Armeesprecher Schabalkin schloss aus, dass die Leiche Maschadows seinen Verwandten zur Beerdigung übergeben werde. "Es gibt ein Gesetz, das die Freigabe der Leichen von Terroristen verbietet."
Präsident Putin verbarg seine Befriedigung über die Meldung vom Tod Maschadows nur mühsam. Seinem Geheimdienstchef befahl Putin, alle Teilnehmer der Aktion zur Auszeichnung vorzuschlagen, wenn sich die Informationen bestätigten.
Dem Bericht an Putin zum Trotz starb Maschadow möglicherweise nicht durch ein FSB-Kommando, sondern durch ein moskautreues tschetschenisches Kommando. Möglich ist auch, dass es überhaupt keine Spezialoperation gab. "Wir hatten die Aufgabe, Maschadow gefangen zu nehmen. Niemand wollte ihn physisch eliminieren", sagte Ramsan Kadyrow, tschetschenischer Vize-Premier und Kommandeur einer tschetschenischen Sondereinheit. Maschadow sei "durch den unvorsichtigen Umgang mit der Waffe eines neben ihm befindlichen Leibwächters" gestorben. Doch es ist unwahrscheinlich, dass der vorsichtige Maschadow - ein ehemaliger Berufsoffizier der sowjetischen Armee, einen solchen Fehler begangen haben soll.
Aslan Maschadow, im Januar 1997 in einer legitimen Wahl zum Präsidenten Tschetscheniens gewählt, war seit dem Beginn des zweiten Tschetschenienkrieges im Herbst 1999 Oberkommandeur der auf bis zu mehreren tausend Mann geschätzten Rebellen. Faktisch allerdings agierten viele Rebellen außerhalb Maschadows Kommando. Schätzungen zufolge unterstanden Maschadow nicht mehr als einige hundert Rebellen direkt - weniger als dem extremistischen Kommandeur Schamil Bassajew.
Maschadow bot dem Kreml wiederholt Friedensgespräche an. Bassajew dagegen bekannte sich auch zu Terroranschlägen als Mittel des Krieges gegen Moskau und organisierte Terrorakte wie zuletzt die Geiselnahme in Beslan.
|