Bericht zur Veranstaltung mit Abti Bisultanov im EineWeltHaus am 08-02-2004
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München. "Der Krieg im Schaffen- Rußlands Genozid in Tschetschenien“. Im Rahmen der Diskussionsforen und Proteste des Münchner Friedensbündnisses gegen die Sicherheitskonferenz vom 7.-8.2.004 in München sprach der tschetschenische Schriftsteller Abti Bisultanov im EineWeltHaus. Trotz des früh angesetzten Vortrags am Vormittag vor der Demonstration des Münchner
Anti-Kriegs-Bündnisses fand sich im Veranstaltungsraum ein breites Publikum ein. Vor
vollbesetzten Reihen sprach Abti Bisultanov und während zum selben Zeitpunkt Rußlands
Verteidigungsminister Iwanov den verbündeten Kriegsverbrechern die Hand schüttelte, Abti Bisultanov nahm zu Beginn seines Vortrages Bezug auf die jüngste Entwicklung seit der Durchführung der sog. "Wahlen“ in Tschetschenien im Oktober letzten Jahres. Putin hatte ja damit bekräftigen wollen, dass dies der erste Schritt zur Lösung der tschetschenischen Frage sei und die Tschetschenen könnten jetzt ihr eigenes Schicksal bestimmen. Diese Wahlen haben keine Anerkennung gefunden. Der erste Staat, der diese Wahlen allerdings anerkannte, war Saudi-Arabien. Kadyrow, der offizielle Wahlsieger und Rußlands vorbestimmter Favorit hätte, wenn Rußland seine Truppen abziehen würden, keinerlei Basis im Volk, so Abti Bisultanov. Das Ergebnis nach etwa drei Monaten sei, dass seitdem die Flüchtlingsströme in Europa um etwa 15 % zugenommen hätten. Vor der Wahl gab es z.B. in Tschechien etwa 3000 tschetschenische Flüchtlinge, heute sind es etwa um die 4000. Auch in Polen sei eine ähnlich Entwicklung festzustellen. Er erwähne dies nur als Beispiel, weil laut westlichen Quellen aktuell nur von etwa 11.000 Flüchtlingen in Europa die Rede sei. Und was wird weiter sein? Krieg. Und der Krieg werde sich wahrscheinlich auf den gesamten Kaukasus ausdehnen. Es sei
augenscheinlich, dass all die Sonderkommandos der russischen Militärs den Widerstand der
Tschetschenen nicht neutralisieren können. "Die kriegerischen Handlungen haben sich ja
auch bereits auf Inguschetien und Dagestan ausgeweitet,“ so Abti Bisultanov. Aber sie haben immer wieder vor dieser Entwicklung gewarnt,
dass sie eintreten könne. Die Wahrheit sei, dass in Tschetschenien am Anfang des 21. Jahrhunderts keine Normen
und Rechte durchführbar wären. Die ganze Menschheit habe das gesehen. "Es ist, um
dieses sehr strapazierte Wort zu sagen, ein Genozid im Gange," so A. Bisultanov.
Als ein Ergebnis von dem, was jetzt in Tschetschenien vor sich gehe, ist jedoch eines
festzustellen: Es ist ein Zustand in Europa, den man nur als Schande und Feigheit
bezeichnen könne. "Hätte nur eine einzige europäische Regierung oder eine einzige seriöse Organisation Jelzin
im 1. Tschetschenienkrieg klargemacht – oder jetzt Putin – dass die tschetschenische Frage
wirklich und wahrhaftig geklärt werden sollte, hätte damals Russland Tschetschenien In den anschließenden Beiträgen aus dem Publikum fand der Vortrag seine
Zustimmung. Nach dem Vortrag bildete sich aus den Veranstaltungsteilnehmern ein kleiner Demonstrationszug Richtung Marienplatz und zog mit Transparenten auf der rund 6.000 Menschen umfassenden Demonstration mit.
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© G. Braun, Interkulturelles Forum e.V., 2002