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Europas vergessene Tragödie -
Tschetschenien
Anlässlich der Anhörung vor dem Europa-Parlament in Straßburg fand am
02.10.2001 mit den beiden tschetschenischen Menschenrechtlerinnen Lipkan Basajewa und Zainap Gaschajewa zu einer
Informationsveranstaltung in Begleitung von Irena Brezna (freie Journalistin)
Frau Lipkan Basajewa, 1949 in Kasachstan geboren, kämpft seit 1994 gegen den mörderischen Krieg in ihrer Heimat Tschetschenien. Damals organisierte die promovierte
Philologin Demonstrationen und Friedensmärsche und half russischen Soldatenmüttern, ihre Söhne von der Front nach Hause zu holen. Bis zum Beginn des zweiten Krieges im Herbst 1999 arbeitete Frau Basajewa unter Präsident Aslan Maschadow im Außenministerium in Grozny. In dieser Zeit gründete sie die Union der tschetschenischen Frauen Itschkerias sowie eine Landwirtschafts-kooperative zur Selbstversorgung tschetschenischer Kriegswitwen und Waisen. Als die Kooperative bei einem russischen Bombenangriff kurz darauf vernichtet wurde, entschloss sich Frau Basajewa zur Flucht. Derzeit lebt sie in der inguschetischen Hauptstadt Nasran und arbeitet im dortigen Büro der russischen Menschenrechtsorganisation Memorial.
Auch Zainap Gaschajewa engagiert sich seit Ausbruch des ersten Tschetschenienkriegs für Menschenrechte. Die 48-jährige
gründete die Organisation "Echo des Krieges", die in fast allen tschetschenischen Orten Ansprechpartner hat und als eine der wenigen Organisationen ist, die humanitäre Hilfe leistet. Regelmäßig besucht Frau Gaschajewa die kriegsgeschüttelte Republik, um Hilfsgüter zu verteilen. Gleichzeitig dokumentiert sie das Geschehen mit Videokamera und Fotoapparat. So ist mittlerweile das umfassendste Archiv über den russischen Völkermord in Tschetschenien entstanden. Im Mai 2001 wurde den beiden Tschetscheninnen der Victor-Gollancz-Preis der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) verliehen.
Zum Hintergrund der aktuellen Lage (Stand
10.2.2001)
In den vergangenen 60 Jahren – 1944, 1994-96 und 1999 bis heute verübten sowjetische bzw. russische Regierungen Völkermord an dem kleinen Volk der Tschetschenen im Nordkaukasus. Nachdem bereits im letzten Krieg von 1994-96 unter der Führung von Boris Jelzin mit einer militärischen Invasion ein Großteil der Städte und Ortschaften dem Erdboden gleich gemacht wurden und mehr als 80.000 Menschen des nur 900.000 Menschen zählenden Volkes ums Leben kamen, begannen am 5. 9.1999 erneut die russischen Streitkräfte einen Krieg gegen Tschetschenien. Durch flächen-deckende Bombardierungen wurde die Hauptstadt Grozny und auch die anderen tschetschenischen Städte völlig zerstört.
Seit dem Spätherbst 1999, als russische Truppen einmarschierten, kommt es zu Massenexekutionen, Dörfer werden umstellt, die Häuser geplündert und angezündet. Zu Tausenden werden v.a. junge Männer in sog. Filtrationslager und Erdgruben verschleppt und gefangen gehalten und zu Krüppeln gefoltert oder getötet. Mit Lösegeldforderungen werden die Angehörigen erpresst und ausgenommen. Im Juli 2001 wurden 700 Bewohner des Ortes Sernowodsk auf freiem Feld stundenlang misshandelt, 68 Männer und Frauen vergewaltigt. Über die Hälfte der tschetschenischen Bevölkerung, mehr als 400.000 Menschen, befindet sich auf der Flucht; die meisten von ihnen leben in großen Zeltlagern, in Kuh- und Schweineställen in der Nachbarrepublik Ingu-schetien. Die Versorgung mit Lebensmitteln und Medikamenten ist vollkommen unzureichend.
Der russische Präsident Putin kommt voraussichtlich am 25. September nach Deutschland zu einem Staatsbesuch.
Die bisherige Bilanz der deutsch-russischen
Beziehungen
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Der deutsche Geheimdienst BND versorgte die Russen im Krieg von 1994-96 mit Informationen
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Im Frühjahr 2000 wurden zwischen der Bundeswehr und der russischen Armee 33 Projekte der militärischen Zusammenarbeit vereinbart
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Laut der GfbV hält der größte deutsche Gasunternehmer, die Ruhrgas AG, als einziger westlicher Konzern Anteile des halbstaatlichen russischen Gaskonzerns Gasprom und bezeichnet ihn als seinen wichtigsten internationalen
Handelspartner
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Im Juni 2001 wurde der Entscheidungsstopp für Asylanträge von Tschetschenen in Deutschland
aufgehoben
(Eine Veranstaltung der Interkulturellen Forums in Zusammenarbeit mit dem Kulturreferat der LHS München und der Petra-Kelly Stiftung)

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