Nachrichten aus Tschetschenien
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"Im Nordkaukasus droht ein neuer Krieg"
DW-Russisch: Was geschieht derzeit im Nordkaukasus? Hat die Gewalt abgenommen? Können Sie Zahlen zum Rückgang solcher Fälle nennen? Herrscht heute mehr Angst? Vielleicht ist es absurd, aber das ist Tatsache: Als geschossen wurde und Krieg geführt wurde, als die physische Gefahr viel größer war als heute im ruhigen Grosny, das wieder aufgebaut wird, da hatten die Menschen keine Angst zu reden, die Menschen haben nicht geschwiegen. Und egal wohin wir kamen, wurde uns sofort berichtet, was vor Ort passiert, wer gelitten hat, wer Hilfe braucht. Das ist heute bei weitem nicht mehr so. Und wie sieht es in den anderen Republiken im Nordkaukasus aus, insbesondere in Inguschetien? Bedeutet das, dass die Situation sehr explosiv ist? Ja. Wir haben dort gesehen, wie die Machtstrukturen in der Republik Inguschetien äußerst brutale Anti-Terror-Operationen durchführen. Beispielsweise wurde ein junger Mann, der verdächtigt wurde, ein Kämpfer zu sein oder in Verbindung zu Kämpfern zu stehen, auf dem Marktplatz von Nasrani erschossen. Auf ihn schossen bewaffnete Personen in Anwesenheit zahlreicher Zeugen. Er wurde nicht gleich getötet, sondern schwer verletzt, und als er blutete, wurde niemandem erlaubt, sich ihm zu nähern. Er starb vor den Augen der Menschen. Es ist doch klar, welche Stimmung entsteht, wenn Menschen eine solche Willkür sehen, solch brutale Sondereinsätze. Kann sich aus Ihrer Sicht Inguschetien zu einem zweiten Tschetschenien entwickeln? Welche Kontrollmechanismen besitzen heute noch die Medien, wie steht es um die bekannte Internetseite Ingushetia.ru? Die Situation der Internetseite ist wirklich sehr traurig. Sie ist eine Informationsquelle dafür, was in Inguschetien geschieht. Möglicherweise ist manche Meldung, die auf der Seite erscheint, nicht geprüft. Aber es besteht wenigstens irgendeine Möglichkeit, sich im Fluss der Ereignisse in Inguschetien zurechtzufinden. Man kann eigene Schlüsse ziehen und unabhängige Meinungen finden. Die Seite wird auf verschiedene Weise unterdrückt. Das Vorgehen der Staatsmacht deutet darauf hin, dass sie diese Informationsquelle unterbinden will. In Wirklichkeit ist es der einzige unabhängige Kanal, der täglich Informationen liefert. Deshalb ist klar, dass die Unterdrückung der Seite die Unterdrückung von Meinungsfreiheit bedeutet.
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© G. Braun, Interkulturelles Forum e.V., 2002