Nachrichten aus Tschetschenien

 

Klare Sache
Kommentar: Tschetschenien
FR online vom 29.11.2005

Russlands Präsident hat den Sicherheitsorganen dafür gedankt, dass die Wahl in Tschetschenien störungsfrei gelaufen ist. Über einen Dank an die 34 000 landfremden Soldaten, deren diszipliniertes Wahlverhalten durchaus mehrheitsbildend war, ist nichts bekannt; es entspricht den Moskauer Regeln der Tschetschenisierung, ihnen Stimmrecht zuzugestehen.

Alle Regeln wurden eingehalten. Es wurden lauter zuverlässige Leute auf die aussichtsreichen Listenplätze aller Parteien gesetzt; dieses Verfahren hat in Volksdemokratien stets funktioniert. Es wurde sorgfältig beobachtet; die Beobachter enttäuschten jene nicht, die sich von ihnen Beihilfe zur Einschüchterung versprachen. Es wurde sorgfältig gezählt; der Fehler, mehr Stimmen zu zählen als Wähler vorhanden sind, musste diesmal vermieden werden. Das Resultat war gut abgesichert; für die Mehrheit der Putin-Partei "Einiges Russland" sorgte neben den Soldaten-Stimmen das Klima der Angst und des Misstrauens, das die bewaffnete Gang des vom Kreml geförderten Ramsan Kadyrow verbreitet.

Putin verdankt seinen Aufstieg zur Macht dem Versprechen, in Tschetschenien Tabula rasa zu machen. Bis zum letzten Tschetschenen, der sich widersetzt. Das Versprechen erfüllt Kadyrow mit seiner Gang. Der konnte die Wahl nicht verlieren. Er brauchte sie eigentlich gar nicht. 
Karl Grobe

 


 

 

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