Nachrichten aus Tschetschenien
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Kremltreu PORTRÄT FR 25.8.2004 Als Oberhaupt der russischen Teilrepublik Tschetschenien will Ali Alchanow alles genauso machen wie sein Vorgänger. "Es wird keinen grundlegenden Unterschied zur Politik von Achmed Kadyrow geben", verkündet der Generalmajor der Polizei als seinen wichtigsten Programmpunkt. In jedem zweiten Satz verweist der Mann darauf, wie nahe er dem am 9. Mai getöteten Präsidenten Achmed Kadyrow gestanden habe. Der bisherige tschetschenische Innenminister ist der Mann, auf den der einflussreiche Kadyrow-Clan und Moskau bei der Präsidentenwahl am 29. August setzen. Also darf Alchanow sich mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin treffen, er bekommt Sendezeit im staatlich kontrollierten Fernsehen, die Behörden setzen sich für ihn ein. Doch alle Propaganda scheint wenig auszurichten. Ein russischer Korrespondent berichtet: "Wenn ich Tschetschenen vor der Kamera frage, sagen sie: Klar, wir wollen Alchanow, wir gehen zur Wahl. Kaum mache ich die Kamera aus, sagen sie, was sie wirklich denken: dass Alchanow für sie ein Niemand und die ganze Wahl eine Farce ist." Alchanow wurde 1957 in Kasachstan geboren. Dorthin hatte der sowjetische Diktator Josef Stalin 1944 die Tschetschenen deportieren lassen. Doch der Weg Alchanows verlief geradliniger als der seines Vorbilds Kadyrow. Dieser verkörperte mit seinen umstrittenen Wandlungen vom islamischen Geistlichen zum Widerstandskämpfer und weiter zum Statthalter Moskaus tschetschenische Geschichte. Der unscheinbare Polizeigeneral Alchanow, dessen auffälligstes Kennzeichen sein dünner Oberlippenbart ist, stand stets auf Seiten Moskaus. Früh vertrat er die Untrennbarkeit Russlands und Tschetscheniens. Die staatliche russische Nachrichtenagentur Ria Novosti erinnert daran, dass Alchanow als Absolvent der Moskauer Akademie des Innenministeriums an die Spitze der tschetschenischen Opposition trat, nachdem der damalige Präsident Dschochar Dudajew 1991 die Unabhängigkeit Tschetscheniens ausgerufen hatte. Als russische Truppen 1995 die Hauptstadt Grosny von den tschetschenischen Rebellen eroberten, übernahm Alchanow die Leitung der Bahnpolizei. Beim Gegenangriff der Aufständischen 1996 verteidigte er mit seinen Leuten den Bahnhof von Grosny - eine Heldentat, auf die staatsnahe Medien jetzt oft zurückkommen. Dort sind keine Berichte darüber zu erwarten, dass Alchanow seit seiner Ernennung zum Innenminister 2003 Entführungen und Morde mit zu verantworten hat, die der Leibgarde des Kadyrow-Clans zugeschrieben werden. Der heute 47-Jährige Alchanow gilt bei der so genannten Präsidentenwahl am kommenden Sonntag als sicherer Sieger - weil klar ist, dass der Kreml ihn als neues Oberhaupt der Teilrepublik durchsetzen will. So wird der Besuch Putins am Grab des ermordeten Achmed Kadyrow mit dessen Sohn Ramsan und Alchanow im Schlepptau als Schachzug gewertet, die Chancen des Kreml-Favoriten zu verbessern. Demonstrativ sagte Putin zu, die künftige tschetschenische Führung dürfe Einkünfte aus dem Ölexport frei zum Wiederaufbau verwenden. dpa/ap/FR Dossier: Tschetschenien - der vergessene Krieg aus: FR 25.8.2004
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