Nachrichten aus Tschetschenien
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Putins gescheiterte Strategie Nichts ist an dieser These bemerkenswert außer den offenkundigen seherischen Fähigkeiten Alchanows. Der russische Versuch, den islamistischen Gewaltmenschen Bassajew mit dem lange Jahre verhandlungsbereiten Maschadow in ein politisches Amalga
Der russische Präsident nennt seine Strategie "Tschetschenisierung". Ihr
Inhalt ist definiert. Tschetschenische Kollaborateure sollen das erledigen,
was Russlands Armee und Russlands bewaffneter Geheimdienst nicht schaffen:
Sie scheitert. Sie war schon gescheitert, bevor Moskaus handverlesener
Führer in Grosny, Ahmad Kadyrow, am 9. Mai einem minutiös geplanten Kadyrow ist selbst von Anhängern Putins im Kaukasus wenig beweint worden. Moskau lernte nichts daraus. Die Förderung des bisherigen Innenministers und Polizeichefs in Grosny, des einschlägig bekannten Alu Alchanow, belegt das Festhalten Putins an seinem Irrweg. Auch die erzwungene Rückführung der letzten tschetschenischen Flüchtlinge aus Inguschetien in ein zerstörtes Land ohne gesicherte Lebensbedingungen belegt das. Der Angriff, dem Inguschetiens Innenminister und zwei Staatsanwälte zum Opfer fielen, mag auch von Rache für die Flüchtlingsaustreibung motiviert worden sein. Vor just solchen Reaktionen hat Maschadow gewarnt.
Eine - vielleicht die letzte - schmale Tür zur friedlichen Lösung hat Putin
vor anderthalb Jahren selber zugeschlagen. Bis dahin schien noch möglich,
mittels Verhandlungen den originären Widerstand von den kriminellen
Einzelkämpfern zu trennen; auf der Grundlage des Jelzin-Maschadow-Friedens
von 1997 wäre das nicht unmöglich gewesen. Putin hätte dann freilich
zugestehen müssen, dass sein Krieg, dem er seine erste Wahl zum russischen
Präsidenten mit verdankte, nicht nur Kriegsverbrechen nach sich gezogen hat,
sondern insgesamt ein politischer Fehler war. Das wollte er nicht.
Jede "Säuberung" in einem tschetschenischen Dorf, jedes unaufgeklärte
Verschwinden eines jungen Mannes, jede Vergewaltigung einer Frau hat der
Rebellion neue Kämpfer verschafft. Sie hat die Verzweiflung genährt, die
Frauen - deren Angehörige am russischen Krieg gestorben sind - zu
Selbstmordattentäterinnen machte. Sie hat den militanten Gruppen, die einen
einfach gestrickten, der gesamten Region fremden und von der Religion weit
entfernten so genannten Islam verkünden, das dschihadistische Argument
Das alles geschieht in Europa. Den politischen Führern der großen
Demokratien fällt nichts dazu ein als zu schweigen, nicht einmal aus
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© G. Braun, Interkulturelles Forum e.V., 2002